© Picture-Factory - Fotolia.com / © Gernot Krautberger - Fotolia.com

 

Ziele:

Trotz der in den letzten Jahrzehnten unternommenen Anstrengungen belastet das Stigma psychischer Erkrankungen nach wie vor Betroffene sowie Angehörige und betrifft außerdem die Psychiatrie als akademisch-medizinisches Fach und als Anbieter von Versorgungsleistungen innerhalb des Gesundheitsversorgungssystems gleichermaßen.

Neben der Verschlechterung des Krankheitsverlaufs durch negative Auswirkungen auf patientenbezogene Aspekte wie das Hilfesuchverhalten, die Behandlungstreue oder die soziale Inklusion der Betroffenen, stellt das Stigma durch seinen negativen Einfluss auf das öffentliche Bild der Psychiatrie und seiner Berufe, Behandlungsmethoden und Institutionen auch eine Herausforderung für die Rekrutierung wissenschaftlichen und medizinischen Nachwuchses dar.

Die Word Psychiatric Association (WPA) hat vor diesem Hintergrund eine Task Force on Destigmatization of Psychiatry and Psychiatrists ins Leben gerufen und einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Stigmas der Psychiatrie und der Psychiater aufgelegt (Sartorius et al. 2010). In diesem Zusammenhang ist auch das von der WPA und der Stiftung für Seelische Gesundheit geförderte Projekt verortet. Im Rahmen des Projekts wurde ein international anwendbares Instruments zur Erfassung verschiedener Aspekte des Stigmaerlebens einschließlich der Selbststigmatisierung bei Psychiatern entwickelt und evaluiert. Das Instrument soll Kontrollgruppenvergleiche zwischen verschiedenen Fachrichtungen der Ärzteschaft ermöglichen und zur Evaluierung von Interventionen zur Verbesserung des Images der Psychiatrie eingesetzt werden können.

Untersuchungsdesign:

Das Instrument wurde in einem multinationalen Survey in 12 Ländern eingesetzt (teilnehmende Länder: Ägypten, Brasilien, Chile, Dänemark, Deutschland, Japan, Kenia, Neuseeland, Nigeria, Polen, USA, Weißrussland). Insgesamt wurden weltweit 1893 Psychiater und 1238 Allgemeinmediziner befragt. Es umfasst die folgenden Stigma-spezifischen Aspekte: subjektive Stigmatisierung der eigenen Fachrichtung, Selbststigmatisierung (Zustimmung zu negativen Stereotypen über die eigene Fachrichtung), Diskriminierungserlebnisse, Auswirkungen des Stigmas auf die Ausübung des eigenen Berufs. Zur Ermöglichung von Quervergleichen mit der Kontrollgruppe wurde weiterhin die subjektive/wahrgenommene Stigmatisierung der jeweils anderen ärztlichen Fachrichtung erhoben. Schließlich wurde zur Erfassung der psychischen Folgen des Stigmas die Burnout-Skala von Maslach verwendet. Eine detaillierte Beschreibung des Fragebogenaufbaus findet sich in Gaebel et al. (2011).

Ergebnisse:

Der Fragebogen erfasst verschiedene Stigma-spezifische Konzepte wie subjektive Stigmatisierung, Selbststigma, Diskriminierungserlebnisse und Auswirkungen des Stigmas auf den Beruf. Er sich auch im internationalen Einsatz als praktikabel erwiesen und ermöglicht Kontrollgruppenvergleiche zur Evaluation von Antistigma-Interventionen.
Die Ergebnisse des Surveys werden derzeit analysiert und zur Publikation vorbereitet. Vorläufig lässt sich feststellen, dass die Stigma-spezifischen Aspekte zwischen den befragten Berufsgruppen unterschiedlich ausgeprägt sind. So nehmen Psychiater im Durchschnitt stärker die Stigmatisierung der eigenen Fachrichtung wahr und berichten häufiger von Diskriminierungserlebnissen. Gleichzeitig ist ihre Akzeptanz negativer Stereotypen über ihre Fachrichtung niedriger als in der Gruppe der Allgemeinmediziner.

Literatur:

  • Gaebel W, Zäske H, Cleveland HR, Zielasek J, Stuart H, Arboleda-Florez J, Akiyama T, Gureje O, Jorge MR, Kastrup M, Suzuki Y, Tasman A, Sartorius N. Measuring the stigma of psychiatry and psychiatrists: development of a questionnaire. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2011 Nov;261 Suppl 2:S119-23. Epub 2011 Sep 21.
    www.springerlink.com/content/up8k402582761784/
  • Sartorius N, Gaebel W, Cleveland HR, Stuart H, Akiyama T, Arboleda-Flórez J, Baumann AE, Gureje O, Jorge MR, Kastrup M, Suzuki Y, Tasman A. WPA guidance on how to combat stigmatization of psychiatry and psychiatrists. World Psychiatry 2010;9:131-144
    www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2948719/pdf/wpa030131.pdf

Bild(er) oben © Gernot Krautberger - Fotolia.com

Bild(er) oben © Picture-Factory - Fotolia.com