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Ziele:

Es gibt bislang wenige Untersuchungen, die prospektiv das Erleben der Aufnahmesituation in Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie untersucht haben. Aus diesem Grund wurde mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), der Stiftung für Seelische Gesundheit und der Bundesdirektorenkonferenz eine Untersuchung durchgeführt, die klären sollte, inwieweit Klinikmerkmale, Aufnahmeumstände und das Verhalten des ärztlichen und pflegerischen Personals beeinflussen, wie Patienten die Aufnahmesituation erleben.

Unter anderem sollte auch geklärt werden, inwieweit störungsorientierte spezialisierte Stationen, auf denen homogenere Patientengruppen behandelt werden, verglichen mit Stationen, auf denen das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen versorgt wird, das subjektive Erleben des Patienten positiv beeinflussen.

Untersuchungsdesign:

In sechs Kliniken wurden insgesamt 708 Patienten mit einem speziell für diese Studie entwickelten Fragebogen untersucht. Die Studie wurde von Prof. Driessen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel, Evangelisches Krankenhaus Bielefeld, federführend geleitet. An der Studie teilgenommen haben: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel, Ev. Krankenhaus Bielefeld, Bielefeld; ZfP Südwürttemberg Weissenau, Ravensburg; LWL-Klinikum Paderborn, Paderborn; Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, Berlin; Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck; LWL-Klinikum Gütersloh, Gütersloh.

Ergebnisse:

Wie zu erwarten, schätzen Patienten die Aufnahmesituation positiver ein, wenn sie freiwillig zur Aufnahme kamen und aufgrund des Krankheitsbildes keine therapeutischen Maßnahmen gegen den Willen des Patienten durchgeführt werden mussten. Das Erleben der Aufnahmesituation auf einer offenen Station wurde positiver erlebt verglichen mit einer geschlossenen Station. Die Aufnahme auf spezialisierte störungsorientierte Stationen wurde ebenfalls besser beurteilt, verglichen mit gemischt belegten Stationen. Dieses Ergebnis bestätigt, dass Patienten die Aufnahme umso angenehmer empfinden, je „passender“ die Krankheiten der Mitpatienten zum eigenen Krankheitsbild erlebt werden, wobei die spezielle Ausrichtung des therapeutischen Teams mit entsprechenden Kompetenzen für das vorliegende Krankheitsbild ebenfalls eine Rolle spielen dürfte. Interessanterweise spielten weitere Merkmale der Gesamtklinik für das Erleben der Aufnahme durch den Patienten wie Bettenzahl, Zahl der Ein- und Mehrbettzimmer sowie die Personalausstattung keine oder lediglich eine geringe Rolle. Entscheidend für die positive Verarbeitung der Aufnahmesituation war das Verhalten der ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ansprechbarkeit des Personals, ausreichende Einzelgespräche und persönliche Zuwendung, Freundlichkeit und Respekt sowie das Gefühl, mit seinen sozialen Problemen nicht allein gelassen zu werden, waren entscheidende Faktoren, die Aufnahmesituation als positiv zu erleben. Verlegungen kurz nach der Aufnahme auf eine andere Station wurden hingegen ungünstig beurteilt.

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